Schulgesundheitsfachkräfte für jede Schule

Erfolge des Modellprojekts in Brandenburg nicht aufgeben, Strukturen erhalten; Offener Brief - 17. November 2021

Erfolge des Modellprojekts in Brandenburg nicht aufgeben, Strukturen erhalten

Sehr geehrte Frau Ministerin Nonnemacher,

seit dem Jahr 2017 wird an 27 Brandenburger Schulen das Modellprojekt „Schulgesundheitspflegefachkraft" umgesetzt. In vielen anderen Nationen der Welt wird schon seit langem durch den Einsatz von diesen sogenannten „School Nurses" eine Verbesserung der Bildungs-, Gesundheits- und Teilhabechancen für Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen erreicht. Diese spezialisierten Pflegefachpersonen entlasten nicht nur das pädagogische Personal, sondern auch insbesondere die Eltern von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen, zu denen auch seltene Krankheiten zählen! Des Weiteren stellen sie eine wichtige Schnittstelle zu den behandelnden pädiatrischen und jugendmedizinischen Ärzten und den Schulgesundheitsdiensten des Landes dar.

Bisherige wissenschaftliche Erhebungen belegen allesamt, dass das konsequente Einsetzen einer Schulgesundheitsfachkraft an Schulen sich bewährt – sowohl mit Blick auf die Lebensqualität der Kinder -und Jugendlichen, die davon Gebrauch machen können als auch im volkswirtschaftlichen Sinne (so konnten bspw. Einsätze der Rettungsdienste deutlich verringert werden).

Deshalb fordern wir, die Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE e.V.), Schulgesundheitsfachkräfte an allen Schulen in Deutschland!

In Brandenburg wurden im Rahmen des Projektes Strukturen aufgebaut, Pflegefachkräfte fort- und weitergebildet und eingearbeitet. Diese Maßnahmen und der Einsatz der Pflegefachkräfte sind zum Ende des Projektes positiv evaluiert worden. Die Landesregierung Brandenburg hatte zuvor in ihrem Koalitionsvertrag selbst erklärt, das gemeinsame Lernen auszubauen, Barrieren abzubauen und eine gleichberechtigte Teilhabe für Menschen mit Behinderungen zu gewährleisten. Mit dem Projekt hat sie also in einem ersten Schritt einen sehr konkreten und erfolgreichen Beitrag zur Gesundheit, Bildung, Inklusion und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen im Lebensbereich Schule geleistet. Wie sich daraus der Entschluss ableitet, das Modellprojekt nicht zu verstetigen, können wir nicht nachvollziehen. Dies ist ein falsches Signal zum falschen Zeitpunkt.

Insbesondere in diesen Zeiten der Pandemie gehören Kinder und Jugendliche mit chronischen seltenen Erkrankungen zu der sogenannten „vulnerablen" Gruppe. Sie können aufgrund ihres Alters und/oder ihrer Grunderkrankungen häufig nicht geimpft werden oder keinen vollen Impfschutz aufbauen. Ohne spezifische Konzepte zum gesundheitlichen Schutz dieser Schülerinnen und Schüler im schulischen Umfeld sind diese de facto von der Teilnahme am Präsenzunterricht und anderen schulischen Aktivitäten ausgeschlossen, die negativen Folgen von sozialer Isolation und Nicht-Teilhabe von Kindern und Jugendlichen am Lebensalltag (und dazu gehört der Schulunterricht) wurden im Rahmen der Pandemie bereits hinlänglich von Expertinnen und Experten beschrieben. Die bereits eingesetzten Schulgesundheitsfachkräfte in Brandenburg haben am Aufbau und der Umsetzung von Hygieneplänen mitgewirkt und Lehrer-, Schüler-, und Elternschaft zum Thema Hygiene und Immunsystem sensibilisiert. Damit wurde unter den aktuellen Umständen ein richtiger Schritt in Richtung Inklusion vollzogen.

Im Rahmen des Modelprojektes wurden unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten dargestellt. Es muss nun zeitnah geprüft werden, welche dieser Optionen für eine nachhaltige Sicherung des Einsatzes von Schulgesundheitsfachkräften geeignet ist.

Liebe Frau Ministerin, wir fordern Sie eindringlich auf:
Schaffen Sie die Rahmenbedingungen für unsere Zukunft, verstetigen Sie die bestehenden Schulgesundheitsfachkräfte mit einer gesetzlichen Verankerung und einer Weiterfinanzierung, wie im Bundesland Hessen.

Mit freundlichen Grüßen

Geske Wehr
Vorsitzende Vorstand ACHSE e.V.

Nicole Heider
Beraterin für Betroffene und Angehörige ACHSE e.V.

PS: Dieser Brief geht an Sie per Post.

Er wird nachrichtlich gesendet an:
- Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg,
- Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg
- Ministerin der Finanzen und für Europa des Landes Brandenburg
- Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz
- Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport
- Ausschuss für Haushalt und Finanzen
- Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen
- Fraktionsvorsitzenden SPD
- Fraktionsvorsitzenden CDU
- Fraktionsvorsitzende Die Linke
- Fraktionsvorsitzenden Freie Wähler

Außerdem wird er als offener Brief auf www.achse-online.de veröffentlicht.

 

Kontakt

Nicole Heider

ACHSE-Beraterin für Betroffene und Angehörige
+49-30-3300708-27
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