Themenbereich 2 – Netzwerke

Abstracts NAKSE 2021

„Prospektives multizentrisches Register für erwachsene Patient:innen mit unklaren Erkrankungen: Chancen zur Verbesserung der Versorgung und für die Forschung"

Am Martin Zeitz Centrum für Seltene Erkrankungen im UKE wurde 2020 in Kooperation mit dem ZSE der Lübecker Kolleg:innen ein prospektives multizentrisches Patientenregister etabliert. Eingeschlossen werden alle erwachsenen Patient:innen, die sich mit einer unklaren Erkrankung am ZSE vorstellen. Es werden sowohl Variablen zu allgemeinen Patient:innen- Charakteristika wie sozioökonomischer Status, Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und Krankheitssymptomen sowie Befunde vorangehen-der Arztkontakte und zur psychischen Gesundheit erhoben. Die internetbasierte Datenbank ermöglicht eine standortsunabhängige und fortlaufende Erfassung dieser Patient:innen- Charakteristika. Weitere Zentren für Seltene Erkrankungen können sich an dieser Initiative beteiligen.

Ziele sind neben einer Beschreibung des Patientenkollektivs und Subgruppenanalysen, neue seltene Erkrankungen und deren Prädiktoren zu erfassen, sowie eine Optimierung der Navigation von Patient:innen mit seltenen und unklaren Erkrankungen im Gesundheitssystem zu erreichen. Durch die multizentrische Datenerhebung ergibt sich ein für seltene Erkrankungen großer Datensatz, der darüber hinaus die Auswertung einer Vielzahl von wissenschaftlichen Fragestellungen ermöglicht.

In der ersten Auswertung sollen psychologische Charakteristika von erwachsenen Patient:innen mit unklarer und vermuteter Seltener Erkrankung untersucht werden. Die Ergebnisse werden als Grundlage dienen, um Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit der Patient:innen frühzeitig zu erkennen und zugeschnittene Interventionen zu entwickeln.

Presenterin: Dr. Franziska Rillig, Martin Zeitz Centrum für Seltene Erkrankungen, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Weitere Autorinnen und Autoren: Meike Mund, Martin Zeitz Centrum für Seltene Erkrankungen, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf; Claudia Kroll, Martin Zeitz Centrum für Seltene Erkrankungen, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf; Tobias Bäumer, Zentrum für Seltene Erkrankungen UKSH Campus Lübeck; Johanna St-Louis, Martin Zeitz Centrum für Seltene Erkrankungen, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf; Christina Weiler-Normann, Martin Zeitz Centrum für Seltene Erkrankungen, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf; Bernd Löwe, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf; Natalie Uhlenbusch, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf; Christoph Schramm, Martin Zeitz Centrum für Seltene Erkrankungen, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

 

„Vernetzung der Bayerischen Zentren für Seltene Erkrankungen (BASE-Netz) Hintergrund"

Hintergrund
Mehr als 600 000 Menschen leiden an einer von etwa 8000 seltenen Erkrankungen in Bayern. Bisher existiert jedoch kein flächendeckendes Netz für die medizinische Versorgung von Patienten mit einer seltenen Erkrankung. Dies bedeutet oft eine lange Phase der Ungewissheit bis zur gesicherten Diagnose und damit eine Verzögerung bis zur Einleitung einer geeigneten Therapie. Auch kann der Weg bis zur nächsten Expertin oder zum nächsten Experten sehr weit sein.

Was ist BASE-Netz?
BASE-Netz ist ein Zusammenschluss der sechs bayerischen Zentren für Seltene Erkrankungen in Würzburg, Regensburg, Erlangen, München und Augsburg. Zusammen mit dem Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen entwickeln sie eine Softwarelösung zur bayernweiten IT-medizinischen Vernetzung.

Welche Ziele hat BASE-Netz?
BASE-Netz soll durch neu geschaffene Strukturen die bayernweite IT-medizinische Versorgung voranbringen. Dies geschieht unter anderem durch telemedizinische Konsile, auch unter Einbeziehung von externen Expertinnen und Experten. Zudem soll die Forschung zu den Seltenen Erkrankungen unterstützt werden. Daher soll im Rahmen des Projekts die IT-medizinische Infrastruktur entwickelt und implementiert werden, sodass außerhalb der individuellen Klinik-Informations-Systeme sowohl für ärztliches Personal als auch für Patientinnen und Patienten eine Vernetzung möglich ist.

Aktueller Stand
Das BASE-Netz Portal wurde für Patienten mit Seltenen Erkrankungen am 23.02.2021 im Rahmen einer Video-Konferenz durch Herrn Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, freigeschaltet.

Ausblick
In einer weiteren Ausbaustufe bis 08/2022 soll in BASE-Netz zusätzlich bei der zentrumsübergreifenden Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Seltenen Erkrankungen in den Bereichen Telemedizin und Patientendatenschutz bayernweit Systeme etabliert werden, um somit die Diagnosestellung und die medizinische Versorgung für Patientinnen und Patienten mit Seltenen Erkrankungen zukünftig zu verbessern, ohne dass Patienten immer zwingend vor Ort sein müssen. Langfristig soll so auch der deutschlandweite und internationale Austausch von Experten für Seltene Erkrankungen entscheidend erleichtert werden.

Presenter: Mark Berneburg, ZSER Universitätsklinikum Regensburg, Klinik und Poliklinik für Dermatologie

Weitere Autorinnen und Autoren: Beate Winner, ZSE Friedrich-Alexander-Universität Erlangen; Christoph Klein, ZSE Ludwig-Maximilians-Universität München; Thomas Meitinger, ZSE Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München; Désirée Dunstheimer, ZSE Universitätsklinikum Augsburg; Asarnusch Rashid, Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen; Christoph Müller, Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen; Tim Maisch, ZSER Universitätsklinikum Regensburg, Klinik und Poliklinik für Dermatologie; Helge Hebestreit, ZESE Referenzzentrum Nordbayern, Universitätsklinikum Würzburg

 

„Modell-Matchmaking über das Rare Diseases Models & Mechanisms Netzwerk (RDMM-Europe)"

Im Rahmen des Projekts Solve-RD haben wir das Europäische Rare Disease Models & Mechanisms Netzwerk (RDMM-Europe) gegründet, um die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, die mit Modelorganismen arbeiten und Klinikern, die an der Diagnose von Patienten mit unbekannten, seltenen Erkrankungen (SE) arbeiten, zu fördern. Ziel dieses Vermittlungsdienstes ist es, die Lücke zwischen der Entdeckung von SE-Genen und der funktionellen Validierung dieser Gene zu schließen. Dazu verbinden wir Solve-RD Kliniker, die im Rahmen des Projekts neue krankheitsverursachende Kandidatengene identifiziert haben, mit Modellorganismus-Forschern, die die Rolle des gegebenen Gens mit Hilfe eines geeigneten Modellorganismus oder Zellkultursystems untersuchen und validieren können. Solve-RD unterstützt 50 dieser Projekte mit jeweils 20.000 EUR.
Für die Auswahl der Kandidatengene und das Modell-Matchmaking wurde ein Register und ein Auswahlverfahren etabliert, das sich die Strukturen des erfolgreichen kanadischen RDMM-Netzwerks zum Vorbild nimmt. Um ein Kooperationsprojekt über RDMM-Europe zu beantragen und eine Anschubfinanzierung durch Solve-RD zu erhalten, müssen die Antragsteller distinkte Bewerbungs- und Evaluierungsschritte durchlaufen. Zwei Bewertungsgremien stellen dabei sicher, dass für jede Verbindungsanfrage das Validierungsprojekt mit der höchsten Erfolgswahrscheinlichkeit zur Förderung angenommen wird.

Bisher wurden 21 Validierungsprojekte zur Förderung angenommen. Solve-RD Wissenschaftler konnten über das Programm mit Modell-Forschern in sechs europäischen Ländern sowie in Großbritannien, Kanada, USA, Katar und Australien verbunden werden. Das RDMM-Europe Netzwerk erweist sich damit als effektive Struktur um die Validierung von Kandidatengenen für seltene Erkrankungen voranzubringen.

Presenterin: Kornelia Ellwanger, Universität Tübingen

Weitere Autorinnen und Autoren: Eva Bermejo-Sanchez, Instituto de Salud Carlos III Madrid; Teresinha Evangelista, INSERM Institute of Myology Paris; Nicoline Hoogerbrugge, Radboud UMC Nijmegen; Vincenzo Nigro, Telethon Institute of Genetics and Medicine Pozzuoli; Rebecca Schüle, Universität Tübingen; Alain Verloes, Hôpital Rober DEBRE Paris; Han Brunner, Radboud UMC Nijmegen; Philippe Campeau, University of Montreal; Paul Lasko, McGill University Montreal; Birte Zurek, Universität Tübingen; Holm Graessner, Universität Tübingen; Olaf Riess, Universität Tübingen

 

„Ataxia Global Initiative"

In den letzten Jahren gab es rasante Entwicklungen auf dem Gebiet der Ataxien und ein entsprechend stark wachsendes Interesse der Pharmaindustrie. Vielversprechende präklinische Ergebnisse erhöhen das Potenzial für neue Therapien in der nahen Zukunft. Doch die translationale Forschung zur Entwicklung von Therapien für Ataxien stößt auf eine Reihe von Hindernissen.
Für die Patienten wurden vielversprechende Forschungsergebnisse noch nicht in die erhofften Therapien umgesetzt.

Für die biomedizinische Industrie ist es eine große Herausforderung, die Ärzte und Standorte mit dem entsprechenden Ataxie-Wissen zu identifizieren und Zugang zu den geeigneten Patientenkohorten für klinische Studien zu erhalten.
Für Kliniker und Forscher hat das Fehlen von Werkzeugen, wie z.B. validierte klinische Outcomes oder SOPs für Forschungsprotokolle, die Entwicklung von Therapien behindert.

Die Ataxia Global Initiative (AGI; www.ataxia-global-initiative.net), ein weltweites Netzwerk für Ataxien, nimmt sich dieser Probleme an, vereint alle Akteure aus Forschung, Industrie und Patientenorganisationen und stellt eine Infrastruktur bereit, die die Forschung und Therapieentwicklung beschleunigt, die Zusammenarbeit verstärkt und dazu beiträgt, die Bereitschaft für klinische Ataxie-Studien; auf internationaler Ebene zu unterstützen.
Dies soll sicherstellen, dass die vielversprechendsten neuen Therapien die Patienten so schnell wie möglich erreichen. Konkret bedeutet das, dass die AGI:

• Die gemeinsame Nutzung von Daten und Biomaterialien fördert,
• zur Definition von weltweit akzeptierten gemeinsamen Standards für klinische Forschung und interventionelle Studien beiträgt,
• Informationen und Daten bereitstellt, die für die Vorbereitung und Durchführung von klinischen Studien relevant sind,
• internationale Tagungen und Konferenzen organisiert, um das Fachgebiet in wichtigen Fragen auf den neuesten Stand zu bringen und weiterzubilden,
• Dienstleistungen anbietet, die die Vorbereitung von Studien unterstützen,
Trainings- und Fortbildungsprogramme organisiert, und
• Informationen über klinische Forschung für Menschen mit Ataxie und die Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.

Presenterin: Prof. Dr. Thomas Klockgether, Universitätsklinikum Bonn

Weitere Autorinnen und Autoren: Matthis Synofzik, Universitätsklinikum Tübingen; Birte Zurek, Universitätsklinikum Tübingen; Annemarie Post, Universitätsklinikum Tübingen; Holm Graessner, Universitätsklinikum Tübingen

 

„German Human Genome-Phenome Archive"

Humane Genomdaten und andere Omics Daten sind für die biomedizinische Forschung und die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens von entscheidender Bedeutung. Dabei gilt es, sowohl die Notwendigkeit, persönliche Daten sicher zu verwahren als auch den Wunsch nach einem offenem und FAIRen Umgang mit Omics-Daten, zu erfüllen. FAIR heißt, die Daten sollen auffindbar (Findable), zugänglich (Accesible), untereinander kompatibel (Interoperable) und wiederverwendbar (Reusable) sein. Im Rahmen der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI; www.nfdi.de) wird in Deutschland zurzeit eine Datenbank für menschliche Genomdaten aufgebaut – das German Human Genome-Phenome Archive (GHGA; www.ghga.de). Diese Datenbank soll ein nationales, sicheres und vertrauenswürdiges Langzeitarchiv menschlicher Omics-Daten werden. Sie soll Forschenden in Deutschland ermöglichen ihre Genomdaten untereinander auszutauschen, um so mithilfe von größeren Datensätzen aussagekräftigere Forschungsergebnisse zu bekommen. Im Gegensatz zu anderen europäischen Infrastrukturen wird GHGA als nationales Konsortium in der Lage sein, die für Deutschland spezifischen gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Sie ermöglicht es Forschenden in Deutschland außerdem, bei der Mitgestaltung künftiger internationaler Standards für den Datenaustausch mitzuwirken und eine führende Rolle in internationalen Forschungskonsortien zu übernehmen. Das Archiv wird in die EGA-Infrastruktur eingebunden werden (European Genome-Phenome Archive; https://ega-archive.org/), wodurch Metadaten ausgetauscht und internationale Forschende vernetzt werden können.

Der Schwerpunkt von GHGA liegt zunächst auf Genomdaten aus den Bereichen Onkologie und seltene Erkrankungen, da hier bereits sehr viele Patienten sequenziert werden bzw. wurden. Der Forschungsbereich der seltenen Erkrankungen wird somit in besonderem Maße von GHGA profitieren. Durch das Zusammenführen der Datensätze von Patienten mit seltenen Erkrankungen können ursächliche Genvariationen leichter gefunden werden. Hierdurch wird die Diagnostik und die ursachenbasierte Therapie von seltenen Erkrankungen verbessert.

Da wir aktuell mit den verschiedenen Nutzergruppen in Austausch gehen, um ihre Bedürfnisse und spezifischen Anforderungen bzgl. Datensätze und Analysetools kennen zu lernen, stehen wir gerne für Fragen und Anmerkungen zur Verfügung.

Presenterin: Dr. Barbara Strobl, Universitätsklinikum Tübingen

Weitere Autorinnen und Autoren: Birte Zurek, Universitätsklinikum Tübingen; Holm Graessner, Universitätsklinikum Tübingen

 

„SAVE – fachübergreifende, elektronische Dokumentationsplattform für Patienten mit Cystinose"

Die infantile nephropathische Cystinose ist eine sehr seltene Multi-Organerkrankung, von der ca. 130 Patienten in Deutschland betroffen sind. Zur Optimierung von Diagnostik und Therapie wurde 2012 eine interdisziplinäre Sprechstunde für Kinder und Erwachsene etabliert. Im Rahmen dieser Sprechstunde am RoMed Klinikum in Rosenheim durchlaufen die Patienten an einem Tag bis zu 13 Fachdisziplinen, wodurch sich eine qualitative und strukturierte Behandlung ergibt. Als Herausforderung hat sich die Erfassung, Dokumentation, und Weitergabe der erhobenen Befunde gezeigt. Durch die elektronische Fallakte SAVE können Daten standardisiert und prospektiv elektronisch erfasst und der Wissenstransfer zwischen den Behandlern gewährleistet werden.
SAVE wurde in Kooperation mit der Medical Informatics Group des Universitätsklinikums Frankfurt entwickelt und basiert auf der Open-Source Registersoftware für seltene Erkrankungen (OSSE). In einem ersten Schritt wurden zusammen mit den involvierten Fachärzten fachspezifische Dokumentationsvorlagen erstellt. Anschließend erfolgte die Umsetzung der Vorlagen in Registerformulare in der OSSE Software. Definierte Plausibilitäten erleichtern die Eingaben in die umfassenden Registerformulare. Zusätzlich wurden spezifische Softwarefunktionen, wie die automatisierte Erstellung eines Arztbriefes, entwickelt. Die Verwendung von SAVE wird durch Nutzungsrechte reguliert. Durch die Verwendung eines Pseudonymisierungsdienstes wird der Datenschutz gewährleistet.
Insgesamt enthält die Fallakte bislang 37 standardisierte Formulare mit ca. 3100 Datenelementen. Seit September 2020 wird SAVE in der interdisziplinären Sprechstunde verwendet und ermöglicht es, allen Behandlern auf die Daten der Patienten zuzugreifen. Derzeit wird SAVE um eine Importfunktion erweitert, die es ermöglicht Labordaten sowie historische Daten in SAVE zu importieren. Außerdem wird ein patientenübergreifendes und ein patientenspezifisches Dashboard entwickelt, welches mit Hilfe von u.a. Verlaufskurven den medizinischen Status der Patienten visualisiert.

Folgende Ziele werden mit SAVE verfolgt:
• Standardisierte Datenerhebung
• Vernetzung der Behandler der Sprechstunde
• Aufbau eines Registers als Basis für spätere Auswertungen zu Forschungszwecken
• Arbeitserleichterung durch die automatisierte Generierung eines Arztbriefes
• Adaption für weitere seltene Erkrankungen

Mit SAVE wurde ein generisches web-basiertes Tool entwickelt, welches diese Anforderungen erfüllt.

Presenterin: Dr. Sarah Wildenhain, Cystinose Stiftung

Weitere Autorinnen und Autoren: Katharina Hohenfellner, Cystinose Stiftung; Holger Storf, Universitätsklinikum Frankfurt; Jessica Vasseur, Universitätsklinikum Frankfurt; Jens Göbel, Universitätsklinikum Frankfurt; Katja Schüler, Universitätsklinikum Frankfurt; Sonja Froschauer, Cystinose Stiftung

 

„Deutsche Akademie für Seltene Neurologische Erkrankungen"

Die Deutsche Akademie für seltene Neurologische Erkrankungen – Expertenreferenznetz im Neurobereich

Neue Technologien ermöglichen erstmals, die molekularen Grundlagen zahlreicher Erkrankungen zu verstehen. Die damit einhergehende Vielfalt neuer genetisch und neuro-immunologisch definierter Erkrankungen, unklarer Befunde und kontinuierlich neu zu bestimmender Genotyp-Phänotyp Beziehungen, stellen die Mediziner*innen in Diagnostik und Therapie vor neue Herausforderungen. Bedingt durch die Seltenheit einzelner Szenarien und den notwendigen hohen Spezialisierungsgrad der Experten kann eine allumfassende Expertise von einem neurologischen Zentrum allein nicht gewährleistet werden. Die Notwendigkeit einer adäquaten, dem Stand des Wissens entsprechenden diagnostischen und therapeutischen Versorgung seltener neurologischer Erkrankungen erfordert einen Paradigmenwechsel in der klinisch-neurologischen Tätigkeit.

Die Deutsche Akademie für seltene neurologische Erkrankungen (DASNE) will Wegbereiter und Knotenpunkt sein, die Versorgung von Patient*innen mit seltenen neurologischen Erkrankungen auf eine neue Stufe zu heben. Als erste Institution dieser Art in Deutschland verfolgt die DASNE die Bündelung und kontinuierliche Weiterentwicklung von Expertise im Bereich seltener neurologischer Erkrankungen durch den Zusammenschluss deutscher Expertenzentren. In diesem dynamischen Netzwerk aus mittlerweile etwa 20 Zentren decken DASNE-Expert*innen die multi- und interdisziplinäre Expertise zu seltenen neurologischen Erkrankungen vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter ab. Die DASNE ermöglicht damit Austausch von Expertenwissen in einem sich rasch wandelnden Feld klinischen, genetischen, immunologischen, molekularbiologischen und systemphysiologischen Spezialwissens. Zudem hat sie sich der Aus- und Fortbildung junger Neurolog*innen in Workshops zu zentralen Themen seltener neurologischer Erkrankungen verschrieben. Durch Partizipation einer möglichst großen Gruppe von Neurologen zu Ausbildungs- und Lehrzwecken soll das scheinbar unüberschaubare Feld der seltenen und unklaren Fälle möglichst vielen erschlossen werden.

Gemeinsame Falldiskussionen zur Bewertung unklarer bzw. strittiger Fälle und genetischer Varianten (Jahrestreffen und monatliche Online-Konferenzen), Zurverfügungstellung von Referenzressourcen für Diagnostik und Management (Webplatform, im Aufbau), sowie zentrale Datenerfassung (bundesweites Register, im Aufbau) eröffnen neue Wege, dem Patientenwohl zu dienen.

Presenter: Prof. Dr. med. Alexander Münchau, Universität zu Lübeck

Weitere Autoren: Holm Graessner, Universität Tübingen; Ludger Schöls, Universität Tübingen

 

Logo Zentrum für Seltene Erkrankungen Tübingen

Flash-Talks-Sessions live am 23.09.2021 sowie im Nachgang auf achse.live