„Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter..."

21.04.2020 -
Plakat für die Aktion Rapunzel
Plakat für die Aktion Rapunzel ruft zum Haarespenden auf.

Hintergrund

Jedes Jahr trennen sich Hunderte zumeist Mädchen und Frauen von ihrem langen Haar und spenden es für den guten Zweck: Die „Aktion Rapunzel" wurde 2008 vom Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten e.V. (BVZ) ins Leben gerufen. Perücken und Haarteile schenken zum Beispiel Menschen, die aufgrund einer Krebserkrankung oder aufgrund eines Gendefekts keine oder kaum mehr Haare haben, neues Selbstbewusstsein.

Mit der Aktion Rapunzel möchte der BVZ darauf aufmerksam machen und zugleich eine gemeinnützige Organisation unterstützen. Seit dem Frühjahr 2019 ist die ACHSE glückliche Partnerin der Aktion Rapunzel und freut sich wahnsinnig über die unzähligen seither gespendeten Zöpfe und über die Aufmerksamkeit, die den Waisen der Medizin dadurch zu Teil wird. Friseurläden bundesweit starten Sammelaktionen, lokale Medien berichten darüber, in den sozialen Netzwerken wurde die #RapunzelChallenge ausgerufen.

Die ACHSE bedankt sich bei allen Haarspender*innen, bei allen Friseur*innen und natürlich beim BVZ für diese einmalige Aktion. Der Erlös aus der Versteigerung der Haare soll zudem gespendet werden.

ACHSE sprach mit Ramona Rausch, der Geschäftsführerin vom Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten e.V.

Ramona Rausch Geschäftsführerin BVZ e.V.
Ramona Rausch Geschäftsführerin BVZ e.V.

ACHSE: Frau Rausch, welche Aufgabe hat der BVZ?

Ramon Rausch: Wir sind ein Zusammenschluss von Friseuren und Zweithaarspezialisten, die sich auf die gesamte Bandbreite des Haarersatzes, von der krankheitsbedingten Verwendung von Zweithaar wie Perücken, Toupets und Haarteilen bis hin zur modischen Komponente als trendiges Accessoire spezialisiert haben. 352 Betriebe sind Mitglied im BVZ. Gegründet wurde der Verband mit Sitz in Rosenfeld im Jahr 2004. Wie auch die ACHSE sind wir eine Interessenvertretung. Wir stellen die Basis für das Agieren auf dem Zweithaarmarkt und sind der Ansprechpartner für die Krankenkassen, Ärzte und Endverbraucher. Wir vermitteln die Zulassungskriterien zur Abrechnung mit den Krankenkassen, bieten Weiterbildungen an und wir setzen uns für eine nachhaltige Qualifizierung unserer Mitglieder ein.

ACHSE: Wie wurde die Aktion Rapunzel ins Leben gerufen?

Ramon Rausch: Immer wieder landen lange Haare im Müll. Das ist sehr schade. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass, egal aus welchem Grund Menschen ihre Haare verloren haben oder an Haarausfall leiden, Haarteile und Perücken neuen Lebensmut und Selbstwertgefühl schenken. Natürlich kann man Perücken auch aus synthetischem Material herstellen, aber Echthaar hat eben eine andere Wirkung. Und warum sollte gesundes, langes Haar, vergeudet werden? Bei einem Herstellertreffen in 2008 wurden damals die ersten 23 Zöpfe unter den Hammer gebracht. Seither ist der Zuspruch enorm gestiegen. Unzählige Menschen spenden ihr Haar aus Solidarität. Das freut uns.

ACHSE: Wie funktioniert die Aktion Rapunzel genau?

Ramon Rausch: Wir rufen bundesweit dazu auf, Zöpfe zu spenden. Das Haar muss ungefärbt, gesund und mindestens 30 cm lang sein. Man kann die Zöpfe direkt an uns schicken oder den Friseur darum bitten, der die Haare abgeschnitten hat. Die Haarspenden werden ein Jahr lang gesammelt und dann auf der größten Zweithaarmesse Europas im Frühjahr in Fulda versteigert. Der Erlös wird an die aktuelle Partnerorganisation, zur Zeit die ACHSE, gespendet. Aus den Haaren werden Perücken und Haarteile hergestellt. Diese werden dann verkauft. Je nach Ursache des Haarverlustes kann der Haarersatz über die Krankenkassen abgerechnet werden.

ACHSE: Wie viele Haare konnten bis heute gesammelt werden?

Ramon Rausch: Für die nächste anstehende Versteigerung sind es mittlerweile schon 12 (!) 64-Liter-Boxen voller Haare und uns erreichen noch immer Zöpfe. Das ist großartig.
Insgesamt wurden seit 2008 schon um die 550 Kilogramm Haare gehandelt. Das Gewicht hat sich von Jahr zu Jahr nahezu verdoppelt, bei der letzten Versteigerung waren es 203 Kilogramm Haare. Dieses Mal rechnen wir mit etwa 300 Kilogramm.

ACHSE: Leider konnte die Versteigerung ja wie geplant in diesem Jahr aufgrund von Corona noch gar nicht stattfinden. Wie hat die Corona-Pandemie die Arbeit des Bundesverbandes bisher beeinflusst?

Ramon Rausch: Wir sind sehr traurig, dass DIE ZWEITHAAR, die größte Messe für Haarersatz in Europa kurzfristig abgesagt werden musste. Sie sollte Anfang April stattfinden. Es gibt keinen Ersatztermin. Das heißt, die nächste Messe findet im April 2021 statt. Wir müssen jedoch noch dieses Jahr unsere jährliche Mitgliederversammlung nachholen, bei der auch die Neuwahlen des Vereinsvorstands- und Ausschusses anstehen. Wir erwägen bei dieser Gelegenheit auch die Versteigerung der Rapunzel-Haarspenden zu machen. Darüber hinaus gab und gibt es natürlich ein wildes Durcheinander was das Öffnen der Zweithaargeschäfte betrifft. Friseurgeschäfte dürfen erst ab dem 4. Mai wieder öffnen, der Verkauf von medizinischem Haarersatz war nach einigem Hin und Her erlaubt, was manchen Ordnungsämtern jedoch erst erklärt werden musste.

Wir danken Ramona Rausch für das Gespräch.

Mehr Informationen zur Aktion auf: https://www.bvz-rapunzel.de/

PS: Dass die ACHSE Partner der Aktion Rapunzel ist, verdankt sie übrigens ihrem Mitglied Glycokids e.V. Der Verein hatte die Arbeit der ACHSE schon früher mit einer Benefizveranstaltung unterstützt. Dafür sind wir sehr dankbar. Gemeinsam sind wir stark.

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Kontakt

Bianca Paslak-Leptien

Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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