REHACARE 2026: viele Lösungen, viele offene Fragen

Die ACHSE war wieder mit einem eigenen Stand auf der REHACARE 2026 in Düsseldorf vertreten. Viele Besuchende kamen nicht mit dem Wunsch nach Kugelschreibern, Gummibärchen, sondern mit Fragen.

Zwei Frauen im Gespräch auf einer Messe mit Informationsständen und Publikationen im Hintergrund
Zwei Personen sitzen auf einer Bühne vor einer Leinwand mit dem Schriftzug 'Gido', eine Person im Rollstuhl, die andere auf einem Stuhl, Publikum im Vordergrund
Gruppe von Menschen, darunter mehrere im Rollstuhl, vor einem Messestand mit Bannern des Bundesverbands Angeborene Gefäßerkrankungen e.V.

Was machen Sie? Wissen Sie, welches Zentrum für Seltene Erkrankung für meine Erkrankung das richtige Ist? Mein Mann hat das Lamb-Shaffer-Syndrom – gehört das auch zu Ihnen? Meine Tochter bekommt keinen Pflegegrad, was tun? Ich bin ein Influencer für eine führende Plattform. An wen kann ich mich für Kooperationen wenden? 

Lisa Biehl, Claire Steiner und Nils Adelheidt aus der Geschäftsstelle der ACHSE antworteten gern und verwiesen bei krankheitsspezifischen Fragen an die entsprechende ACHSE Mitgliedsorganisation und die Expertinnen der ACHSE Beratung. 

Technik allein ist nicht die Lösung

Schon die Fragen am Stand zeigten: Es braucht Menschen, die auf Menschen treffen - und in jedem Fall mehr als Technik, IT und KI. Es braucht auch ein politisches und gesellschaftliches Bewusstsein für die Anliegen der Betroffenen, eine bedarfsgerechte Versorgung und eine kontinuierliche Verbesserung der Teilhabe und Chancen. Und natürlich braucht es gerade vor dem Hintergrund der Sparpläne der Bundesregierung eine gesicherte Finanzierung. 

Stimmen aus der Community

Spannende Aussagen gab es auf den Podien der REHACARE. Bei der Vorstellung des REHACARE Reports 2026 durch Hannes Niemann, Director REHACARE: Hilfsmittel ermöglichten eine Teilhabe, die wiederum auch positive gesellschaftliche Effekte habe, aber in der Kostenbetrachtung überhaupt keine Rolle spielten. Sabrina Lorenz sprach davon, dass der Report so etwas wie die "Rückeroberung der Selbstbestimmung" zeige. In der Podiumsdiskussion “Unterstützungssystem oder Sparsystem?" unterstrichen die Teilnehmenden diesen Punkt. “Wenn ich die Hilfsmittel nicht bekomme, dann kann ich nicht so schnell schreiben, weil meine Hand vielleicht nicht funktioniert (…) Dann bin ich der Kostenfaktor,” brachte Barbara Kleinow von der BAG Selbsthilfe ein konkretes Beispiel für die Bedeutung einer bedarfsgerechten Hilfsmittelversorgung über den einzelnen Betroffenen hinaus. Sabrina Lorenz forderte deshalb: “Wenn ich ein Hilfsmittel brauche, um meinen Tag zu gestalten, muss es mir zustehen.”

Aktivist Raúl Krauthausen sprach unter dem Titel „Kultur bewegt, was Politik verschleppt“: Kultur könne eine Welt zeigen, die noch nicht existiert. Sie könne Fragen anders, unkonventionell beantworten, etwas hinzufügen, das man später nicht mehr missen möchte. 

Thema von Brenda Meisel, Mutter eines pflegebedürftigen Kindes, war: Freundschaften (und) pflegen: Ist das überhaupt möglich? „Du bist als Pflegende in einer Parallelwelt“, sagte sie. Palliativpflege sei nicht smalltalkfähig, weshalb Freundschaften unbedingt ehrlich und nicht von Erwartungen bestimmt sein dürften. Mit einer Freundin tauscht sie sich beispielsweise über einen Podcast aus. Den kann man anhören, wenn man Zeit dazu hat und auch darauf reagieren, wenn Zeit dazu ist. Ebenso hat sie die Videoplattform Gido mitentwickelt. Hier stellt sie in Videos Werkzeuge vor, die pflegende Eltern erfolgreich ausprobiert haben. 

Anja Mehlmann, Inhaberin der Special Needs Kanzlei, ermunterte Menschen mit Behinderungen, von ihren Rechten Gebrauch zu machen: In der Praxis sei die Handhabung nicht oft so klar, wie es im Gesetz formuliert sei.

Politik kennt (eigentlich) die Anliegen

Die Politik weiß um die Anliegen der Betroffenen - allen voran und insbesondere der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel: „Selbstbestimmung und Teilhabe sind grundlegende Voraussetzungen für eine inklusive Gesellschaft. Dabei kommt einer bedarfsgerechten und zeitnahen Hilfsmittelversorgung eine entscheidende Bedeutung zu. Sie ermöglicht Menschen mit Behinderungen, ihr Leben eigenständig zu gestalten und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben."

Positives Fazit

Lisa Biehl, Leiterin der ACHSE Selbsthilfegemeinschaft, zieht nicht nur aufgrund der mehr als 180 Beratungsgespräche am Stand ein positives Feedback: „Die REHACARE ist für mich jedes Mal ein echtes Highlight! Es berührt mich, zu erleben, wie sehr Menschen aufatmen, wenn wir ihnen mit Antworten auf ihre Fragen, Fachleuten oder einer passenden Selbsthilfeorganisation weiterhelfen können. Und dann die vielen Begegnungen mit den Selbsthilfeverbänden und die gegenseitige Unterstützung aus und im ACHSE Netzwerk – beim Rundgang oder beim Bergfest: Das ist Austausch, Vernetzung und ganz viel Energie!“

Weltweit führende Fachmesse

Die REHACARE ist die weltweit führende Fachmesse für Rehabilitation, Prävention, Inklusion und Pflege. Etwa 1.000 Aussteller aus 43 Ländern zeigte vom 23. bis 26. September ihre Neuerungen. 45.000 Menschen aus 101 Ländern nutzten die Gelegenheit, um sich zu informieren, beraten zu lassen und auszuprobieren – über Möglichkeiten, die eigene Mobilität und Eigenständigkeit bzw. die eines Angehörigen zu erhalten, die Pflege zu Hause zu unterstützen, die Teilhabe an Arbeit, Sport und gesellschaftlichem Leben zu verbessern.

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