Die Einführung von Schulgesundheitsfachkräften gehört seit vielen Jahren zu den gesundheitspolitischen Forderungen der ACHSE. Für Kinder und Jugendliche mit Seltenen Erkrankungen können Schulgesundheitsfachkräfte einen entscheidenden Beitrag leisten, um Teilhabe, Bildungsgerechtigkeit und gesundheitliche Sicherheit im Schulalltag zu gewährleisten. Sie sind wichtige Ansprechpersonen für Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte sowie weitere Gesundheits- und Versorgungsakteure und können dazu beitragen, Versorgungslücken zu schließen sowie gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen.
Kinder und Jugendliche mit Seltenen Erkrankungen benötigen häufig individuelle Unterstützung
Gerade Kinder und Jugendliche mit Seltenen Erkrankungen benötigen häufig individuelle Unterstützung bei der Medikamentengabe, bei therapeutischen Maßnahmen oder im Umgang mit akuten gesundheitlichen Situationen. Eine professionelle gesundheitliche Begleitung im schulischen Umfeld stärkt nicht nur die Selbstständigkeit der Betroffenen, sondern entlastet auch Familien und Lehrkräfte.
Umso mehr begrüßt die ACHSE das gemeinsame Memorandum, das die Bedeutung einer strukturierten gesundheitlichen Versorgung an Schulen hervorhebt und konkrete Perspektiven für die Weiterentwicklung der Schulgesundheitspflege aufzeigt.
An der Pressekonferenz zur Vorstellung des interdisziplinären Expertenberichts „Schulgesundheitspflege – School Nursing“ am 11. Juni 2026 nahm auch die Pflegeexpertin und Leiterin der ACHSE-Arbeitsgruppe Schulgesundheitsfachkräfte, Nicole Heider, teil.
Breite politische Zustimmung
Im Rahmen der Veranstaltung wurde deutlich, dass die Einführung von Schulgesundheitsfachkräften grundsätzlich auf breite politische Zustimmung stößt. Die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner betonte, dass das Thema parteiübergreifend unterstützt werde. Gleichzeitig verwies sie auf die föderalen Zuständigkeiten im Bildungsbereich, die eine bundesweite Umsetzung erschweren können. Die Realisierung entsprechender Konzepte hängt derzeit wesentlich von den finanziellen Möglichkeiten der Länder und Kommunen ab.
Als wichtige Chance für eine flächendeckende Einführung wurde die stärkere Verknüpfung mit bestehenden Präventionsstrukturen hervorgehoben. Da Prävention zunehmend als zentrales gesundheitspolitisches Zukunftsthema anerkannt wird, könnten sich hier wichtige Entwicklungsmöglichkeiten ergeben.
Johannes Wagner machte deutlich, dass die Perspektiven und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in politischen Entscheidungsprozessen bislang häufig nicht ausreichend berücksichtigt werden. Ihre spezifischen Bedarfe müssten künftig stärker in die Planung und Ausgestaltung gesundheitlicher Angebote einbezogen werden.
Von der krankheitsorientierten Versorgung zu Gesundheitsförderung und Prävention
Einigkeit bestand bei allen Beteiligten darüber, dass ein grundlegender Perspektivwechsel notwendig ist: weg von einer vorwiegend krankheitsorientierten Versorgung hin zu einer stärkeren Gesundheitsförderung und Prävention. Dies sei nicht nur aus gesundheitlicher Sicht sinnvoll, sondern könne langfristig auch soziale und wirtschaftliche Folgekosten reduzieren.
Diskutiert wurde zudem die zukünftige strukturelle Verortung der Schulgesundheitsfachkräfte. Perspektivisch sollen diese stärker an den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) angebunden werden, um eine nachhaltige und verlässliche Einbettung in bestehende Versorgungsstrukturen zu gewährleisten.
Für die ACHSE ist klar: Die bundesweite Einführung von Schulgesundheitsfachkräften ist ein wichtiger Baustein für mehr Chancengleichheit, Inklusion und Gesundheitsförderung an Schulen. Insbesondere Kinder und Jugendliche mit Seltenen Erkrankungen würden von einer verlässlichen gesundheitlichen Begleitung im Schulalltag erheblich profitieren. Die ACHSE wird sich deshalb auch weiterhin gemeinsam mit ihren Mitgliedsorganisationen und Partnern für die bundesweite Etablierung von Schulgesundheitsfachkräften einsetzen.
