Das Bild zeigt die Weltkarte und bunte Grafiken von Menschen, die sich im Kreis an den Händen halten. Text: Your are not alone. We are in this together.
Virtuelle Treffen in Coronazeiten – doch mit welcher Software?

Mein Name ist Jean-Jacques und ich bin für die Waisen der Medizin aktiv. Im letzten Jahr gab es durch Corona viele neue Herausforderungen. Ich selbst begleite eine kleine Gruppe von Familien, die von Seltenen Erkrankungen betroffen sind. Früher trafen wir uns regelmäßig in einer Gaststätte oder bei jemandem Zuhause. Da solche Treffen durch Corona momentan nicht mehr möglich sind, mussten wir neue Wege finden. 

Die naheliegendste Alternative waren natürlich Videokonferenzen – viele von Ihnen kennen das bestimmt und haben selbst viel Zeit vor der Kamera mit dem Team oder den Lieben verbracht.

EU-Datenschutzrichtlinien bei Zoom und MS Teams

Als eines der Videokonferenztools der Stunde wurde Zoom verstärkt eingesetzt, welches zwar als zuverlässiges Videotool gilt, bei dem es aus Datenschutz-Sicht jedoch Kritik hagelt, da sich das Unternehmen sowie dessen Server in den USA befinden. Zoom bessert inzwischen nach und arbeitet auch an der Transparenz. Microsoft Teams spielt in der gleichen Liga wie Zoom – ein EU-konformer Datenschutz kann nicht gesichert werden, denn auch der Betrieb von Servern im EU-Raum garantiert keine DSGVO-Konformität.

Open-Source als wichtige Voraussetzung

Ich selbst bin ein Open-Source Verfechter und habe mal einen Blick auf weitere Anbieter geworfen, die aus Europa kommen bzw. ihre Server innerhalb der EU haben.

Was macht einen idealen Anbieter für Videokonferenzen, privat oder im Unternehmen, eigentlich aus? Im besten Fall sollte eine Videokonferenz ohne Installation eines speziellen Programms funktionieren und somit für jeden ohne großen Kostenaufwand durchführbar sein. Server in der EU sichern außerdem, dass die EU-DSGVO eingehalten wird. Der Betreiber ist optimalerweise ein europäisches Unternehmen. Leider haben viele Anbieter ihren Sitz in Drittländern, sodass die Datenschutzrichtlinien der EU nicht gewährleistet sind.

BigBlue Button

BigBlueButton ist ein Open-Source-System, das ursprünglich für Schulen und ähnliche Einrichtungen konzipiert wurde. Voraussetzung ist allerdings ein eigener dedizierter Server. Das ist mit Kosten verbunden, die gestemmt werden müssen.

Jitsi Meet
Jitsi Meet wird von verschiedenen Anbietern kostenlos zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um eine Open-Source-Software, die Videotelefonie mit einer theoretisch unbegrenzten Anzahl von Teilnehmenden erlaubt. Eine Videokonferenz kann ohne jegliche Registrierung eingerichtet werden. Die Teilnehmenden benötigen nur einen Browser, wie Firefox, Google-Chrome oder einen auf Blink basierenden Browser (Vilvaldi, Opera, Edge). Die Reservierung eines Raumes ist nicht möglich, dafür können sich die Teilnehmenden bereits miteinander verbinden, wenn die Veranstaltenden selbst noch nicht online ist. Der Schutz des Konferenzraumes mit Passwort oder durch einen virtuellen Warteraum ist jederzeit möglich.
Der Dienst Jitsi Meet wird als Open Source Software kostenlos von verschiedenen Anbietern auch in der EU angeboten, unter anderem als „Freifunk Meet" vom Freifunk München oder als „Framatalk" von Framasoft in Frankreich. Eine Liste von Organisation, die den Dienst kostenlos anbieten, kann unter https://jitsi.github.io/handbook/docs/community-instances gefunden werden.
Wer die App für sein Handy nicht bei Google herunterladen möchte, kann diese auch über F-Droid für Android machen.
 

Wir haben mittlerweile schon einige virtuelle Treffen mit Video veranstaltet und kamen damit sehr gut zurecht. Das Aufrechterhalten des Austauschs ist natürlich nicht ganz so gut, wie bei einem physischen Treffen. Dennoch war es eine sehr willkommene Alternative und alle Teilnehmenden hatten Freude an unseren Treffen.

 

Die Initiative „Waisen der Medizin" wurde 2018 gegründet und richtet sich an Menschen die von „seltenen Erkrankungen" betroffen sind oder noch keine Diagnose haben.

„Viele" und „Selten", ein Widerspruch in sich? Nein, denn tatsächlich leben in Deutschland ca. 4 Millionen Menschen, die von einer "Seltenen Erkrankung" betroffen sind. Noch nicht mit einbezogen sind an dieser Stelle all diejenigen, die zwar bereits schwer erkrankt, aber noch immer ohne Diagnose und damit auch ohne medizinische Hilfe sind.

Weitere Informationen finden Sie hier:

waisen-der-medizin.de

 

 

Abonnieren Sie "Seltene Einblicke" und wir benachrichtigen Sie, sobald es neue Geschichten, Tipps und Informationen gibt.